Alzheimer: Schutz möglich

Alzheimer: Nährstoffe / Gen

Cocktail gegen Alzheimer:  Nährstoff-Mixgetränk regt das Wachstum von Synapsen an

Gegen den massiven Gedächtnisverlust bei einer beginnenden Alzheimer-Erkrankung dürfte bald ein einfacher Cocktail aus drei Nährstoffen helfen. US-Wissenschaftler haben mit einer Mischung aus Omega-3-Fettsäuren und zwei körpereigenen Substanzen die Nervenzellen im Gehirn zur Ausbildung neuer Verbindungen angeregt. In einem klinischen Vergleichstest zeigten 40 Prozent der Patienten, die mit dem Getränk behandelt wurden, ein deutlich verbessertes Namensgedächtnis. Die größte Wirkung erzielten die Wissenschaftler bei weniger schweren Alzheimer-Fällen. Der Cocktail soll nun auch auf seine Wirksamkeit bei anderen Krankheiten getestet werden, bei denen die Zahl der Synapsen im Gehirn abnimmt.

 In Tierversuchen hatten die Forscher um Richard Wurtman vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge bereits die Wirksamkeit ihres Cocktails nachgewiesen: Omega-3-Fettsäuren sowie das für den Stoffwechsel wichtige Uridin und das Gewebshormon Cholin regen die Dendriten zum Wachsen an. Das sind feine Verästelungen der Nervenzelle, die sie anderen Neuronen zur Verknüpfung entgegenstreckt. Der Informationsaustausch findet dann über die Kontaktstellen statt, die so genannten Synapsen. Die drei Bestandteile des Gemischs sind nichts Naturfremdes: Sie finden sich auch in der Muttermilch.

 In dem nun durchgeführten klinischen Test mit 225 Alzheimer-Patienten wurde die Wirksamkeit des Gemischs auch beim Menschen belegt. Über zwölf Wochen bekamen Patienten mit einem milden Alzheimer-Verlauf täglich die natürlichen Wirkstoffe verabreicht. Vor allem das Gedächtnis für Worte profitierte davon, keine Verbesserungen ergaben sich dagegen beim Orts- und Erfahrungsgedächtnis.

Während andere Medikamente lediglich die Lernleistung des Gehirns verbessern, setzt der Cocktail an der Ursache der Krankheit an: dem Verlust von Synapsen. "Wenn wir deren Zahl erhöhen können, so lässt sich dadurch begrenzt auch der Verlust von kognitiven Fähigkeiten verhindern", erklärt Wurtman. Er weist aber darauf hin, dass es nicht um eine Heilung geht, sondern um eine drastische Verlangsamung des Krankheitsverlaufs.

Das erneute Vernetzen der Nervenzellen soll die beiden bestehenden Behandlungsansätze bei Alzheimer gleichberechtigt ergänzen: die Reduzierung des entstehenden Protein-Plaque zwischen den Nervenzellen und die Minimierung von giftigen Stoffwechselprodukten, die sich im erkrankten Gehirn bilden. Wurtman will das Einsatzfeld des Naturmedikaments auch ausweiten: "Wenn sich die Nährstoffe als sichere Behandlungsmethode gegen Alzheimer erweisen, dann dürften sie auch bei anderen Krankheiten Erfolg zeitigen, bei denen die Synapsen abgebaut werden."

 

Gen verlangsamt den Abbau von Gehirnfunktionen

Wissenschaftler haben ein Gen entdeckt, das das Risiko von Demenz- und Alzheimer-Erkrankungen reduziert und damit den altersbedingten Rückgang der Gehirnfunktion verlangsamen kann. Das Gen namens CETP hat einen Einfluss auf Cholesterinpartikel, wirkt sich jedoch auch auf die mentalen Fähigkeiten aus, fanden die Forscher um Richard Lipton von der Yeshiva University in New York heraus. Mit diesem Wissen könnten künftig Medikamente entwickelt werden, die den Effekt dieses Gens imitieren, um ältere Menschen vor Alzheimer zu schützen.

Die Wissenschaftler werteten für ihre Studie die Daten von insgesamt 523 Probanden über 70 Jahre aus. Zu Beginn der Untersuchung waren alle Versuchspersonen gesund. Nach gut vier Jahren waren 40 von ihnen an Demenz erkrankt. Probanden, die zweimal eine bestimmte Variante des CETP-Gens in sich trugen, hatten dabei ein um 70 Prozent geringeres Risiko einer Demenz, ergab die Auswertung.

Das CETP-Gen war bislang lediglich als "Langlebigkeits-Gen" bekannt. Es reguliert die Größe der Partikel sowohl des HDL-Cholesterins, des sogenannten "guten Cholesterins", als auch der bei erhöhten Werten für den Körper kritischen Cholesterin-Variante. Frühere Studien hatten gezeigt, dass bestimmte Varianten dieses Gens das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken und damit die Lebenserwartung steigern können. Die Forscher um Lipton konnten nun zeigen, dass das Gen auch Einfluss auf das Demenz- und Alzheimer-Risiko nimmt.

 Auf einen solchen genetischen Schutz deuten auch weitere Beobachtungen hin. So konnten die Wissenschaftler um Lipton zeigten, dass die Genvariante nicht nur bei Demenz-Patienten den Gedächtnisverlust verlangsamt, sondern bei allen in der Studie untersuchten Personen, also auch bei den Gesunden. Eine Verbindung zwischen der CETP-Genvariante und Demenz sei außerdem plausibel, da andere Gene, die in den Fettstoffwechsel mit eingebunden sind, auch mit dem Demenz-Risiko zusammenhängen, halten die Forscher fest.

 

08.01.2010, 11:29 von Admin | 5029 Aufrufe
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